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Feststimmung auf dem Buschweilerhof

27.12.2017

Der Basler Erstligist verstärkt sein Kader mit drei gezielten Zuzügen

Der FC Black Stars holt Yann Bellemare (NK Pajde Möhlin), Bledar Binaku (FC Lan­genthal) und Luciano Covella (FC Allschwil), verliert aber mit Mickaël Rodriguez einen Mann, der in 30 Monaten über 100 Wettbewerbstreffer für die Schwarz-Sterne erzielt hat.

Von Georges Küng

Dass der 1907 gegründete FC Black Stars ein „etwas anderer Fussballclub ist“, zeigte sich am Vortag zum Heiligen Abend. Während alle anderen Regionalklubs im „Winterschlaf“ sind und der Betrieb auf der heimischen Sportstätte ruht, lud „Blägg“ zum traditionellen Weihnachtsapéro ein. Und gut 100 Mitglieder, Freunde, Anhänger und sonstige „Blacksta­rianer“ folgten dem Ruf – mit Torhüter Steven Oberle auch ein Exponent des Fanionteams, das nach einem harzigen Saisonauftakt im Oktober und November zur Höchstform auflief. Rang 6, ex-aequo mit Platz 5 (Grasshoppers Nachwuchs), und nur drei Zähler Rückstand auf den drittklassierten FC Münsingen zeigen, dass das Erreichen der Barragespiele zur Promotion League sehr realistisch ist. Zum zweitplatzierten SC Buochs sind es auch „nur“ sechs Punkte Rückstand – einzig Tabellenführer FC Solothurn ist mit 40 Zählern enteilt.

Und in der seit gut einem Monat dauernden Winterpause sind die Klubverantwortlichen mit Sportdirektor Peter Faé an der Spitze nicht untätig geblieben. Sie konnten am heimeligen Weihnachtsapéro, unter freiem Himmel, bei geschmückten Tannenbäumen und offe­nem Feuer sowie fetziger Weihnachts-/Partymusik, gleich drei Zuzüge bekannt geben, die eini­ges, ja viel versprechen.

Ein Rückkehrer und eine Trouvaille

Mit Bledar Binaku (31) kehrt ein Mann auf den Buschweilerhof zurück, der bereits in der Saison 2016/17 das schwarz-weisse Trikot getragen hatte, dann jedoch zum Ligaaufstei­ger FC Langenthal wechselte. Binaku ist ein erfahrener Mann, der seit zwölf Jahren in der dritt- oder vierthöchsten Liga spielt. Egal ob in Emmenbrücke, Schötz, Grenchen, Wangen bei Olten oder Langenthal, überalle war der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln das, was man einen typischen Mittelfeld-Patron nennt. Binaku ist nicht nur Stratege, son­dern auch ein Mann, der in den Abschluss geht.

Als am 13. August 2017 der NK Pajde Möhlin (2. Liga interregional) gegen den FC Lau­sanne im Schweizer Cup spielte, gewann der Favorit zwar, mit viel Mühe, zuletzt mit 3:1.

Aber ein Mann stach alle aus - und dieser trug das Trikot der Aargauer Kroaten. Sein Name? Yann Bellemare (22), ein Franzose, der beim FC Mulhouse das Fussball-ABC er­lernte. Selbst Lausanne-Trainer Fabio Celestini erkundigte sich nach Abpfiff diskret nach diesem Mann, der „mit seinen Vorstössen über die rechte Aussenbahn die fragile Abwehr der Romands gehörig durcheinander wirbelte und ein steter Gefahrenherd war“, wie die bz Basel damals schrieb.

Bellemare ist kein Goalgetter (er hat für Pajde in der Vorrunde ein einziges Tor erzielt), doch er hat unzählige Einschüsse vorbereitet. Im Eishockey würde er bei jedem Treffer als einer der beiden Assistgeber figurieren. „Sein Abgang tut Pajde Möhlin sehr weh; uns wird er sehr helfen, im Angriff noch schneller und variantenreicher zu sein“, so Peter Faé zur bz Basel.

Und mit Luciano Covella (18) kommt ein grosses Talent zum FCBS, der einen Grossteil seiner Juniorenzeit beim FC Basel verbracht hat. Und in Allschwil, wenn auch eine Klasse tiefer als die Black Stars spielen, der auffälligste Akteur der Vorrunde war.

Mister 50 Prozent“ hört auf

Diesem Trio steht ein Abgang gegenüber. Nicht gänzlich unerwartet ist der Aufwand für Mickaël Rodriguez (37), der in Colmar wohnt und selbständig Erwerbender ist, zu gross geworden. Denn „Mika“ hat in den zweieinhalb Spielzeiten, in denen er für Black Stars ge­spielt hat, über 100 Tore erzielt. So, wie er weiterhin Rekordtorschütze vom (neuen) Neuchâtel Xamax ist. Rodriguez war Torgarant und „Mister 50 Prozent“ in Personalunion. Und ein Musterfussballer – professionell von der Scheitel bis zur Fusssohle. Das bestäti­gen seine (ex-)Trainer Benjamin Huggel, André Fimian, Dariusz Skrzypczak und der aktu­elle Übungsleiter Samir Tabakovic allesamt. Wiewohl der Franzose, mit Erfahrung in der Challenge League (bei der SR Delémont), den weitesten Anfahrtsweg hatte, war er im­mer der Erste im Training. Und obwohl Rodriguez auf diese Saison hin nicht immer erste Wahl war, ist er mit sieben Treffern weiterhin der beste Black-Torschütze. Vergleicht man Ein­satzminuten und Trefferanzahl, so ist Rodriguez über alle drei Erstliga-Gruppen sogar je­ner Mann, der am we­nigsten lang für einen zählbaren Einschuss braucht. Aber in diesen 30 Monaten hat dieser charismatische Knipser in etwa dreimal die Welt umrundet, um von Colmar nach Basel West zu gelangen. Zeitweise fünfmal die Woche – plus die Matches an den Wochenenden.