, Jordi Küng

«Blägg» entzaubert den Tabellenzweiten Brühl

Der FC Black Stars gewinnt in St. Gallen gegen den SC Brühl verdient mit 2:0 (2:0).

Eine Woche nach dem koketten 5:1-Auswärtserfolg beim FC-Sion-Nachwuchs be­wiesen die «Schwarz-Sterne», dass sie Fussball vom Feinsten «zelebrieren» kön­nen. Der dritte Auswärtssieg lässt hoffen, dass der erste Dreier auf dem Buschwei­lerhof nur noch eine Frage der Zeit ist…  

Das Reizvolle am Fussball ist, dass die Spiele – zum Glück – auf dem Rasenfeld und nicht nach der Papierform entschieden werden. Denn wer auswärts als ex-Ranglisten-Dreizehn­ter gegen den Tabellenzweiten, der zudem noch ungeschlagen ist (war), antritt, sollte ja ei­gentlich verlieren…

Aber das taten die Akteure des FC Black Stars nicht. Vielmehr zeigten die Basler, dass der  punktemässig schwache Saisonauftakt wohl der Vergangenheit angehört. Was die Elf von Cheftrainer Samir Tabakovic im legendären Paul-Grüninger-Stadion (man darf sich ruhig über die Person dieses Mannes erkundigen, der im 2. Weltkrieg viel Leid verhindert hat!) zeigte, war beste Kost und eine reife Leistung. Gegen einen Rivalen, der eine Woche zu­vor in Yverdon der Uebermannschaft der «Cerutti Il Caffè Promotion League» ein 1:1 ab­getrotzt hatte. Wir zitieren von der Homepage des SC Brühl St. Gallen: «Black Star erwies sich als bedeutend stärkerer Gegner als es die Tabellensituation vermuten liess. Vom Start weg dominierten die Gäste, während sich die Brühler ungewohnt passiv verhielten und vor allem offensiv arg enttäuschten».  

Zwei Traumtore

In der 15. Minute startete Tobias Mumenthaler (s)einen Flüggellauf – und seine weitgezo­gene Kreuzflanke spedierte Süleyman Turkes (für Insider: Der Schiedsrichter soll mit dem Black-Stürmer nicht verwandt sein…) ins Gehäuse von Christian Leite. Der 34-jäh­rige Bra­silianer war übrigens einst Torhüter beim FC Thun (in der Super League) und Ersatzkee­per beim FC Zürich.

Kurz vor der Halbzeit folgte ein analoger Angriff. Diesmal von der linken Seite. Diesmal war es Mergim Ahmeti, der ebenso herrlich vollendete. Fussball kann eigentlich einfach sein…

In den zweiten 45 Minuten wurden die Gastgeber in der Pause von Trainer Heris Stefa­nachi phonetisch «wachgerüttelt». Aber der Gast aus Basel hielt immer dagegen, hatte in Steven Oberle den gewohnten Rückhalt, der Sicherheit ausstrahlte. Die Viererkette har­monierte als Kollektiv und ein jeder war individuell auf der Höhe, während im Mittelfeld das Duo Leandro Gaudiano und Captain Ola Moyo Uruejoma der Dreh- und Angelpunkt des FCBS war. Schade, dass Gaudiano kurz vor Halbzeit mit einer Zerrung aus­scheiden musste. Da werden die Künste von Masseurin/Physiotherapeutin Bea Hecken­dorn gefragt sein. Und im Angriff ging Turkes weite Weg und war stets präsent, wenn es im Brühler Strafraum «brannte». Und der in Lörrach geborene Türke, der am übernächsten Montag 23 Jahre alt wird, bewies, dass er in jedem Match für ein Tor (es dürfen auch mehr sein!) gut ist.

Obwohl es nach einer Spielstunde zu einer kurzen Ostschweizer Druckphase kam, lief «Blägg» nie Gefahr, die Partie aus den Händen zu geben oder gar einen Punktverlust zu erleiden. Vielmehr hätte Seydou Kiendrebeogo in der 84. Minute, alleine auf Leite stür­mend, zwingend das dritte Basler Tor erzielen müssen. Doch der ex-OB-Spieler mit Ver­gangenheit in Barcelona (bei der UE Sant Andreu, 3. Division) scheiterte gar kläglich. Aber auch er war, dank seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke, ein Aktivposten.

Match und Oktoberfest

Am nächsten Samstag gastiert der Tabellenvorletzte FC Köniz auf dem Buschweilerhof. Noch konnten die Black Stars keinen Heimsieg erringen. Das soll sich ändern, denn a) möchte man den Aufwärtstrend bestätigen und den dritten Sieg in Serie einfahren und b) das Oktoberfest auf der «Bläggmatte» mit einem Erfolg umrahmen. Es ist bekannt, dass der FC Black Stars mehr als «nur» guten Fussball zeigt. Das Rahmenprogramm des Okto­berfestes ist jedenfalls «ganz grosses Kino» und niemand müsste hiefür auf die Wiesn nach München, in die bayrische Hauptstadt, gehen.  

Übrigens wurde der FC Black Stars am Samstag von gut 70 Anhängern begleitet. Denn Spiele bei Brühl sind für Sportchef Peter Faé auch immer eine sehr emotionale Sache, da seine Mutter mit dem SC Brühl sehr verbunden ist. Ein Verein, der zwar sportlich im Schat­ten des FC St. Gallen steht (es gab aber eine Zeit, wo der SC Brühl die Nummer 1 in der Stadt war!), aber seiner Bedeutung sehr wohl bewusst ist. Ein feiner Apéro vor Anpfiff und eine längere 3. Halbzeit machten den Samstag jedenfalls vollkommen und zeigten, dass Fussball viel mehr als nur 90 Minuten sein können.

SC Brühl St. Gallen – FC Black Stars Basel 0:2 (0:2)  

Paul-Grüninger-Stadion. - 452 Zuschauer. - SR: M. Turkes. - Tore: 15. Süleyman Turkes 0:1. 41. Ahmeti 0:2.  

Brühl SG: Leite; Demhasaj (71. Kargbo), Degen, Traber, Wörnhard (46. Gebert); Holenstein (81. Pavlovic), Shala, Salija; Eberle, Capone (84. Linke), Kucani (71. Lovakovic).  

Black Stars: Oberle; Mumenthaler, Silva, Edwige, Sevinc; Kiendrebeogo (85. Fazlija), Uruejoma, Gaudiano (46. Fischer), Ahmeti (75. Di Noto); Adamczyk; Turkes (75. Martinovic).

Bemerkungen: Brühl ohne Anic, Keller, Makia, Titaro, Vanin (alle verletzt), Guil­herme (gesperrt) und Sejdija (Privatanlass/Kochzeit). - Black Stars ohne Babovic, Saliji (beide verletzt) und Heric (gesperrt). - Verwarnungen: 46. (1. Halbzeit) Adamczyk (Foul), 84. Salija (Foul) und 93. Linke (Foul). - Gaudiano scheidet kurz vor der Halbzeit mit einer Zerrung aus.