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"Blägg" spielte, die ACB mauerte

04.06.2018

Bellinzona und Black Stars trennten sich im Barrage-Rückspiel mit einer "Nullnummer".

Dank des 2:1-Hinspielsieges in Basel erreichte der Favorit aus der Tessiner Kan­tonshauptstadt die nächste Runde und kommt dem Saisonziel, dem Aufstieg in die Promotion League, ein Stück näher.    

Von Georges Küng  

Bellinzona hatte, zusammen mit Solothurn, am meisten Saisontore (68) aller 42 Erstligis­ten geschossen. Die ACB wies die beste Tordifferenz (plus 43) auf und hatte, wiederum mit Solothurn zusammen, am meisten Siege (21 aus 26 Qualifikationspartien) aufzuwei­sen. Der frühere Nationalliga-A-Klub darf auf den höchsten Zuschauerdurchschnitt (1600) in der 1. Liga stolz sein und stellte mit Gaston Orlando Magnetti den Erstliga-Torschützen- könig. Der Argentinier erzielte stolze 27 Treffer.  

Keine Granate...  

Kurzum: Die „Granati", wie der Traditionsklub im Volksmund genannt werden, galten als Übermannschaft. Aber eine Granate ist die Elf des italienischen Cheftrainers Luigi Tirapel­le gegen den FC Black Stars Basel nicht gewesen. Zumindest nicht im Rückspiel im heimi­schen Comunale, das sich in eine Festhütte verwandelt hatte. Eine imposante Zuschauer­kulisse, lautstarke Tifosi und eine farbenfrohe „Curva Nord" (die Pyros werden jedoch ein Nachspiel haben) waren die optischen Begleitumstände – doch das spielerische Festmenü seitens der Gastgeber blieb aus. Denn gut gespielt haben nur die „Schwarz-Sterne" - und wenn jemand zeitweise Zauberfussball zeigte, dann waren es die Gäste vom Rheinknie. Das Personal von Cheftrainer Samit Ta­bakovic hatte mehr Ballbesitz, war in allen Belan­gen besser, teils sogar dominant, wies mehr Abschlüsse auf und konnte viel mehr Eckbälle treten – aber das Wichtigste fehlte: Das erlösende Tor, das alle Tore geöff­net hätte!  

„Hätten wir das 1:0 geschossen, hätten wir nach Abpfiff gefeiert. Und nicht Bellinzona". Darin waren sich Trainer, Klubleitung und Akteure einig. Und niemand der Tessiner wider­sprach. In der Endphase waren die ACB-Akteure „groggy", stehend K.o. Unzählige Spiel­unterbrüche wegen Krämpfen brachen in den Schlussminuten den Rhythmus der „Schwarz-Sterne" - in der Boxersprache müsste man von einem Rivalen sprechen, wel­cher in den Seilen hing. Der taumelte und wankte. Aber nicht fiel. Zur Ehrenrettung der Gastgeber muss man anfügen, dass sie unter einem enormen Druck standen. Der Aufstieg ist ein absolutes Muss, auch wenn die Vereinsleitung im Vorfeld in den Tessiner Media davon nichts mehr wissen wollte. Aber man spürte es bei jedem der Anwesenden, dass – vor allem nach dem Hinspiel-Erfolg auf der „Blägg-Matte" - die Pro­motion als gegeben an­gesehen wurde.  

„Blägg" fehlten die Alternativen  

„Bellenz"-Trainer Tirapelle konnte seine Elf, im Vergleich zum Mittwochsspiel, gewollt auf drei Positionen verändern. Für den starken Angreifer David Stojanov begann der ebenso gefährliche Renato Sergi. Gasttrainer Tabakovic hingegen musste, wegen den Sperren von Ermin Alic und Sidy Dieng ungewollte Umstellungen (und eine Systemveränderung ins gewohnte 4-4-1-1) vornehmen. Mit der Quintessenz, dass die Auswechselbank – im Ge­gensatz zum Rivalen – gar „ausgedünnt" war. Erster Einwechselspieler war Luciano Co­vella, ein 19-jähriges Talent, das in der Vorrunde beim FC Allschwil (2. Liga interregional) gespielt hatte. Und im Frühling, wegen Verletzungen, primär in der 2. Mannschaft (3. Liga) aufgebaut wurde und gespielt hatte. Den zweiten Einwechselspieler kennen nur Black-Insider – in der Qualifikationsphase kam Jason Aebischer zweimal zu symbolischen Ein­satzminuten. Bei der ACB entdeckte man Akteure, die kein Aufgebot erhalten hatten, wel­che bei den allermeisten Erstligisten unbestrittene Stammspieler wären...  

Und dass der Widersacher in der nächsten Runde nicht der YB-Nachwuchs, sondern „nur" Red Star (Bellinzona gewann in der Qualifikationsphase jeweils locker mit 4:1 und 2:1 beide Vergleiche gegen die Zürcher) ist, machte diesen Samstag für den Gastgeber noch freudiger. Man war sich einig, dass der FC Black Stars „der mit Abstand stärkste Wi­dersacher seit Sommer 2017 gewesen war", so diverse Funktionäre und stete Begleiter der AC Bellinzona. In Basler Reihen gab Sportchef Peter Faé bereits die Devise für die kommende Saison 2018/19 aus: „Wir werden voll angreifen".  

Mannschaft verstärken  

Da die Stammelf zusammen bleibt und mit fünf Hochkarätern (aus höheren Liga) verstärkt wird, werden auf Worte wohl auch Taten folgen. Denn eines zeigte das Rückspiel in der Südschweiz: Mit einem breiteren Kader und Alternativen à la Bellinzona als Einwechsel­spieler wäre der FCBS in die nächste Runde eingezogen. Es hätte hiefür nicht einmal ein sogenanntes Fussball-Wunder gebraucht.        

AC Bellinzona – FC Black Stars Basel 0:0  

Stadio Comunale. - 2735 Zuschauer. - SR: Superczynski.  

Bellinzona: Pelloni; Djuric, Russo, Tarchini; Facchinetti (70. Quadri); Felitti, Forzano (76. Quarino), Bottani, Berera; Magnetti, Sergi (66. Stojanov).  

Black Stars: Oberle; Mandal (76. Covella), Silva, Micic, Mbatchou; Mumenthaler, Uruejoma, Bi­naku, Sprich (85. Aebischer); Ka­layci; Gaye.  

Bemerkungen: Bellinzona ohne Italo, Maffi, Zubcic (alle verletzt). – Black Stars ohne Basic, Drakul, Spahr (alle verletzt) sowie Alic, Dieng und Fahdy (alle gesperrt). - Verwarnungen: 20. Mumenthaler (Foul), 31. Kalayci (Reklamieren), 68. Berera (Foul) und 76. Mbatchou (Unsportlichkeit).