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"Blägg" entzaubert den Aufstiegsfavoriten

Jordi Küng 11.08.2019

Der FC Black Stars gewinnt gegen die AC Bellinzona mit 3:1 (2:1).  

Mit einem harterkämpften Erfolg gegen einen ehemaligen A-Ligisten hat der Liga­neuling gezeigt, dass die Elf von Cheftrainer Samir Tabakovic eine grosse Bereiche­rung für die Cerutti Il Caffè Promotion League ist. In einer Woche gastiert im Schweizer Cup der FC Zürich bei den „Schwarz-Sternen“.        

Zumindest auf dem Papier waren die Rollen klar verteilt. Hier der Aufsteiger, der seit über einem Jahr konstant gute Leistungen zeigt. Auf der anderen Seite ein Widersacher, den man als „Grossklub“ der dritthöchsten Spielklasse bezeichnen muss. Mit Akteuren, die einst lange in der Super League – wie Daniele Russo (Lugano, St. Gallen) – gespielt ha­ben. Oder Goalgetter Gaston Magnetti (34), ein gebürtiger Argentinier mit spanischem Pass, der zu Beginn seiner Laufbahn in der Heimat mit dem Fussball (gutes) Geld verdien­te.  

Blitzstart der Basler  

Nach einer Viertelstunde jedoch stand es 2:0 – und nicht für die Gäste aus der Süd­schweiz, sondern für die Platzherren, die mit zwei Traumangriffen, angefangen über die rechte Aus­senseite, und vollendet mit superben Abschlüssen für Staunen (beim Gast und sei­nem lautstarken, 30-köpfigen Anhang) und Entzückten unter den FCBS-Anhängern sorg­ten. Doch die Antwort kam postwendend – besagter Russo erzielte den Anschlusstref­fer, was zugleich das erste Gegentor in dieser noch jungen Spielzeit 2019/20 für den Bas­ler Quartierverein bedeutete.  

Die ACB deutete an, dass die Elf über viel Substanz verfügt. „Weil unser Stadion, das Co­munale, im Umbau ist, mussten wir dreimal auswärts antreten. Am 2. Spieltag kamen wir zum Beispiel um 2 Uhr nachts von unserer Auswärtsreise in der Romandie nach Hause. Dies alles muss man berücksichtigen, wenn man unseren durchzogenen Saisonauftakt wertet“, so Russo, der über den Spielausgang „not very amused“ war.  

Unter Dauerdruck  

Die schwerste Phase hatten die Platzherren von der 46. bis zur 70. Minute zu bestehen. Da wankte die Tabakovic-Elf, da wurde sie förmlich erdrückt, das war Abwehrkampf in sei­ner Urform (oder in Reinkultur). Jeder Ball, den die Black-Defensive wegdrosch, kam um­gehend zurück. Das Mit­telfeld war „luftig“, die beiden Spitzen Robin Adamczyk und Deny Gomes isoliert. Aber die „Schwarz-Sterne“ bewiesen, dass die Equipe nicht nur schönen Fussball, sondern auch solidarische „Büez“ verrichten kann. Und wie hart dieses Duell, das an einen Cup­fight im britischen Stil erinnerte, war, beweist die Tatsache, dass sich Trainer Tabako­vic – ungewohnt für ihn – früh genötigt sah, frische Kräfte zu bringen.  

Das Happy-End folgte mit einem Konter. Mit einer der ersten Ballberührungen erzielte Al­min Mislimovic (26, der das Fussball-ABC bei der Jugend von Schalke 04 erlernt hat) das dritte Tor – es war die Siegsicherung, auch wenn die Gäste bis zur 97. Minute mit teils bra­chialer Kraft (oder Gewalt) das Anschlusstor suchten.  

Und nun gegen den FC Zürich  

Drei Spiele und sieben Punkte = Platz 2. In einer Liga, wo es einige Klubs (Yverdon, Bel­linzona, Stade Nyonnais) gibt, die mit Millionenbudgets arbeiten und zumindest Halbprofis un­terhalten (auch Bellinzona). Gegen U21-Mannschaften, die Profis sind und von den Lan­desgrössen alimentiert werden. „Und wir haben noch viel Luft nach oben; die ersten 45 Mi­nuten waren sehr gut gespielt; die zweite Halbzeit hat mir nicht gefallen, weil wir nicht in der Lage waren, das Spiel zu beruhigen, zu kontrollieren und offensiv kreativer zu gestal­ten“, so Samir Tabakovic. Wer glaubt, dass der Trainer ob des Sieges und der aktuellen Rangierung euphorisiert ist, irrt gewaltig. Es steht viel Arbeit an, so Samir Tabakovic. Dass er nach Abpfiff an der Klubbar aushalf (Merke: Büez vor Vergnügen) und die Partie der 2. Mannschaft beobachtete, sei auch dezent erwähnt.  

Am Samstag folgt ein Festspiel – die Cuppartie gegen den FC Zürich im Stadion Schüt­zenmatte verdient einen Grossaufmarsch in einer vierstelligen Zuschauerzahl. Trotz den kostspieligen Auflagen. Tabakovic will nicht spekulieren, ob… „Wenn der FCZ seine Leis­tungs abrufen kann, dann… wird man einen grossen Unterschied sehen“. Aber „off-record“ flüsterte er dem Chronisten zu, dass „wir bereit sind. Wenn Zürich uns nicht ernst nimmt, dann...“.    

FC Black Stars Basel – AC Bellinzona 3:1 (2:1)  

Sportplatz Buschweilerhof. - 280 Zuschauer. - SR: Hänggi. - Tore: 5. Fischer 1:0. 16. Gomes 2:0. 18. Russo 2:1. 84. Mislimovic 3:1.  

Black Stars: Oberle; Mumenthaler, Silva, Dünki, Fischer; Babovic (82. Mislimovic), Urue­joma, Alic, Ahmeti (67. Ouedraogo); Adamczyk (57. Shillova); Gomes (69. Gaye).  

Bellinzona: Pelloni; Maffi (76. Cazzaniga), Russo, Monighetti (82. Schneeberger), Felitti (85. Padu­la Lenna); Quadri, Forzano (73. Stojanov); Melazzi, Facchinetti, Guarino; Magnetti.  

Bemerkungen: Black Stars ohne Covella und Sevinç (beide verletzt). - Bellinzona ohne Anselmi, Berera und Italo (alle verletzt). – Verwarnungen: 8. Melazzi (Reklamieren), 29. Quadri (Foul), 41. Magnetti (Unsportlichkeit), 60. Mu­menthaler und 77. Guarino (beide Foul). – 67. Corner von Fac­chinetti an den Pfosten. 85. Pfosten­schuss Mislimovic.